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Geraldino mit seiner Gitarre

GERALDINOs Indien-Tour 2010

14. April 2010 - Konzerte:

Im April startete Geraldino nach Indien, um dort das Land zu erkunden, Konzerte zu spielen und Workshops zu geben: Auf dem Tour-Plan stand ein Auftritt in der Schule des "Adivasi-Tee-Projekts" in Gudalur, das in den Nilgiri-Bergen Südindiens liegt, ein Auftritt in der deutschen Botschaft und zwei Workshops an der deutschen Schule in Neu-Delhi. Hier könnt ihr seinen abenteuerlichen und langen Reisebericht lesen:

Nach einem schier endlos langen Flug von Frankfurt über den Oman sind wir endlich in dem fast unaussprechlichen Ort Thiruvanantapuram in Südindien angekommen! Wow, im Oman war es schon heiß, aber in Thiruvanantapuram ist es tropisch, hohe Luftfeuchtigkeit und höllisch heiß! Ein netter Taxi-Driver holt uns in einem fast neuen Ambassador (cooles Gefährt!) vom Airport ab und bringt uns ins Hotel. Die erste Fahrt auf Indiens Straßen ist schon abenteuerlich, es herrscht totale Anarchie auf den Straßen, zweispurige Straßen werden mindestens sechsspurig befahren, es wird ununterbrochen überholt, der stärkere und größere hat Vorfahrt. Und es wird unentwegt gehupt ... möp, möp - möp, möp. Doch dann kommen wir in ein kleines Paradies: Wir wohnen direkt am Meer und sehen Palmen, nichts als Palmen - wir sind im Bundesstaat Kerala, das in der Übersetzung "Das Land der Palmen" heißt. Zur Begrüßung bekommen wir Blumenblütenketten umgehängt und einen Begrüßungstrunk, so eine Art Mangolassi - schmeckt super-lecker ... was für ein Empfang! Dann mussten wir natürlich sofort ins Meer hüpfen, ich schätze mal 33 Grad hatte das Wasser mindestens und schöne, hohe Wellen, traumhaft, wunderbar, so lieb ich das! Und überall sind Krähen, freche Krähen .... ich muss unbedingt ein Lied über Krähen schreiben! Abends haben ein Sitar- und ein Tablaspieler die wenigen Gäste mit virituoser Musik verzaubert und wir haben bei Ingwertee den Vollmond angestarrt.

 

Am nächten Tag erlebten wir in der Nähe des Hotels eine religiöse Prozession, wilde extatische Trommler begleiteten buntgeschminkte Mädchen auf ihrem Weg in einen nahe gelegenen Tempel. Die Straßen waren bunt geschmückt, von Lichter- und Blumenketten gesäumt, am Straßenrand standen Menschenmengen in farbenfrohen Gewändern und im Abstand von einigen hundert Metern Boxentürme, aus denen höllisch laute Musik dröhnte. Auch am darauffolgenden Morgen weckten uns Kanonenschläge und Trommelmusik, das Fest ging weiter, die Prozession hatte sich an den Strand verlagert.

 

Nach dem Frühstück ging es dann los in Richtung des erstens Auftrittsortes "Gudalur", das ca. 600 km entfernt liegt. Unser Jeep wurde beladen und dann stürzten wir uns in das indische Verkehrschaos. Unser Fahrer war ein cooler Hund, zeigte keine Emotionen, auf jeden Kilometer wurde mindestens zehnmal gehupt - so drängelten und hupten wir uns zu unserer ersten Station Richtung Gudalur. An den Straßen reihen sich Häuser mit kleinen Gärten aneinander, manche traumhaft schön, bunt angestrichen, von pink über giftgrün bis hin zu himmelblau, daneben aber auch Müllplätze und halbverfallene Häuser. Verschwitzt und verstaubt kommen wir abends im nächsten Hotel am Vembanad-See an, Kanäle durchdringen das dicht mit Bäumen bewachsene Gelände, unsere Hütte steht auf Stelzen, überall Vögel, wir sehen eine Wasserschildkröte ... wir sind mitten in den berühmten "Backwaters" von Kerala.

 

Am nächsten Morgen machen wir uns um 6 Uhr auf zur Expedition ins Vogelschutzgebiet, das direkt hinter dem Hotel liegt. Der Weg führt durch dichten Wald, plötzlich ganz seltsame Laute ... wir entdecken fliegende Hunde, sie hangeln sich kopfüber von Ast zu Ast. In einem Kanal sehen wir eine eineinhalb Meter lange, sehr giftige Wasserschlange, sie schwimmt seelenruhig an uns vorbei. Endlich erreichen wir die angekündigte Aussichtsplattform, der lange Weg hat sich gelohnt: tausende weiße Reiher suchen sich hier Nistplätze, ein gigantischer Anblick und eine überwältigende Geräuschkulisse!

Zurück im Hotel gibt es erst einmal Frühstück, danach gönnen wir uns noch eine gemütliche Fahrt durch die Backwaters, bevor wir uns wieder auf die Straße Richtung Gudalur stürzen. Das Haus-Boot legt direkt am Hotel-Kai an, es sieht toll aus! Während wir durch ein palmengesäumtes Kanalnetz vorbei an beschaulichen Dörfern schippern, scheint die Zeit still zu stehen, wir bekommen Kokosnusssaft und ein tolles, scharfes Essen auf Bananenblättern. Um 13 Uhr holt uns aber schon wieder der Fahrer ab und dann geht es weiter Richtung Nattikabeach, unserer nächsten Station. Wir brauchen für 100 km vier Stunden, nicht weil die Straßen in einem schlechten Zustand wären, nein, der Verkehr ist einfach unglaublich dicht, unzählige Fahrrad- und Motarradfahrer, scheinbar Millionen von Tuck-Tucks, wild hupende PKWs, vollbeladene LKWs und buntbemalte Busse quetschen sich in schnellstmöglichem Tempo in beide Richtungen. Erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir in der nächsten Unterkunft an, ein einsamer, kilometerlanger Sandstrand empfängt uns und wir sind die einzigen Gäste im Hotel, das wir leider schon wieder am nächsten Morgen verlassen müssen - wir wären gerne noch länger geblieben, doch der Auftritt in Gudalur ist schon übermorgen und wir haben noch einige Kilometer vor uns!

 

Die Fahrt geht also gleich nach einem kurzen Bad im Meer und einem indischen Frühstück mit Grießbällchen und Reispfannkuchen weiter. Der Verkehr ist wie immer chaotisch, wir haben die letzte, lange Etappe vor uns. Mittags halten wir zum Essen in einer Kleinstadt. Alle essen mit den Fingern, aber der Kellner bringt mir zum Glück einen Löffel, ich bringe das einfach nicht fertig mit den Fingern zu essen. Unterwegs habe ich einen Weißkopfseeadler gesehen, wie er im Flug über einen See einen Fisch fing. Ein seltsames Pelztierchen mit rotbraunem Fell und Puschelschwanz saß auf einem Baum, später stellt sich heraus, dass es eine Art Pandabär war. Die Fahrt geht durch Teeplantagen immer weiter in die blauen Nilgiriberge. Und da sehen wir das erstemal Affen, eine ganze Affenfamilie sitzt unter haushohem Bambus am Straßenrand und beobachtet den Straßenverkehr. Endlich kommen wir am Abend nach Gudalur, eine geschäftige Kleinstadt, die etwas grau wirkt, kleine Marktstände an der Straße, und wie überall viele, viele Menschen, aber keine Touristen verirren sich hierher. Eine indische Lehrerin, Frau Ramda aus der Adivasi-Schule, begrüßt uns beim Guesthouse, sie ist eine charismatische, selbstbewußte ältere Dame in traditioneller Kleidung. Sie beschreibt uns für den nächsten Tag den Weg in die Schule. Nachdem wir leckere indische Dosas (Reispfannkuchen) verpeist haben, wurde abends "gemeiert", damit die Zeit vergeht. Die Ventilatoren arbeiten auf höchster Stufe, ohne sie würden wir zerfließen. In den Bergen ist es zwar wesentlich kühler als am Meer, aber immer noch sehr heiß.

 

Das Frühstück nehmen wir beim Bäcker nebenan ein, es gibt wahnsinnig süßen Kuchen und Tee. Dann geht es zur Schule. Die Kinder auf dem Schulhof begrüßten uns herzlich, unsere Schuhe zogen wir vor der Türe aus und ein Lehrer zeigt uns die Schule, die von den Kindern verschiedener Adivasi-Stämme (Adivasi = indischer Ureinwohner) besucht wird. Der Auftritt in der Schule war spektakulär, das Publikum war von 5-15 Jahre alt, keiner hat mich verstanden, aber alle haben mitgemacht. Der Kakadu, Bill, Bumm Bumm Bär, Arakif, Wwtt wwtt ... das volle Programm - die Stimmung war einfach toll! Dann haben die Kinder für uns gesungen, traditionelle Lieder und unter anderem auch "La Paloma blanca", abgefahren! Danach kam noch ein Flötenspieler und ein paar Studenten, die in der Schule zu Lehrern ausgebildet werden, haben dazu getrommelt, dazu tanzten die Jungen und später auch die Mädchen auf traditionelle stammesweise - großartig! Ich habe dann auch noch den "Labadu" als bayerischen Tanz vorgestellt und mit meinen Reisegefährten aufgeführt. Ich war total durchgeschwitzt, aber es war einfach schön! Die österreichische Claudia mit ihren großen Augen, die in der Schule mitarbeitet, hat uns viel über das Projekt erzählt. (Wer möchte, kann hier mehr erfahren: http://www.adivasi.net/accord.php und die wertvolle Bildungsarbeit des Adivasi-Tee-Projekts auch untersützen: www.adivasi-tee-projekt.org ). Ich möchte mich hiermit bei den Lehrern, Schülern und Musikern auch noch einmal bedanken für die tollen Eindrücke und die schönen Begegnungen!

 

Nach dem Auftritt ging es weiter in den nahegelegenen Mudumalai-Nationalpark. Wir wollten dort in einem Baumhaus-Hotel übernachten. Dort warnte man uns als erstes vor Klapperschlangen und brachte uns spät abends zu einem abgelegenen Baumhaus, von dem wir auch wieder abgeholt wurden. Alleine darf man sich nicht im Wald bewegen, zu gefährlich. Wir schliefen in 10 m Höhe. Voll romantisch, dieses Baumhaus. Sogar mit Dusche und Clo. Ich konnte leider nicht so entspannt schlafen, da es zu viele Geräusche gab. Irgendein kleines Vieh knabberte an meinem Rucksack, es war ja alles offen. Gegen 5 Uhr hörte ich in den Bergen dreimal einen Tiger brüllen. Im Morgengrauen gab es eine wahre Symphonie von Vogelgezwitscher und Hirsche standen unter unserem Baumhaus. Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass nachts ein Leopard an unserem Baumhaus vorbeigeschlichen ist. Es waren nämlich ein paar automatische "Camera-Traps" auf dem Gelände neben dem Baumhaus installiert, die das Tier in dieser Nacht aufgenommen haben. Auf dem LapTop haben wir ihn dann gesehen und waren sehr erleichtert, dass er nicht auf die Idee kam, auf unseren Baum zu klettern. Nach dem Frühstück entdeckten wir sogar einen super Pool mit Blick auf die "blauen Berge", das macht Laune! Wir gönnten uns einen entspannten Tag, ich beende mein Buch: Dämliche Dämonen! Abends geht es dann auf Tiersafari. Wir fahren mit dem Jeep los und ein Wildhüter zeigt uns viele wilde Tiere, Wasserbüffel, Mungos, Hirsche, Stachelschweine, Wildscheine, Pfauen ... und die absolute Krönung der Tour war, als wir eine Herde wilder Elefanten beobachten konnten. Wow !!!

Auf dem Rückweg guckten wir noch zu, wie ein Arbeitselefant im Fluss gewaschen wird, abends saßen wir dann am Lagerfeuer und tranken zwei Abschiedsbiere.

 

Am nächsten Morgen packten wir unseren Krempel, da wir uns schon wieder auf den Weg Richtung Flughafen machen müssen. Zum Frühstück gibt es noch leckere Schoko-Bananen-Crepes, dann ab in den Jeep. Wir haben noch einen Guide mitgenommen, der uns in der Nähe zu einem Bauern führte und uns dort zeigte, wie Nelken, Vanille, Kaffee, Manjock, Papaja und der Peffer wächst. Dann fahren wir zu einer Teefabrik, die hat leider geschlossen, es ist Ostern. Aber in Gudalur hat eine kleine Kaffeerösterei offen, die wir besichtigen können. Nach einem scheinbar nicht enden wollenden "Höllentrip" durch Serpentinenstraßen, die an grünen Teeplantagen vorbeiführen, nach einigen Baustellen und Umleitungen und mit lauter indischer Musik im Auto landen wir dann am späten Abend am Cherai-Beach, unserer letzten Station, bevor es nach Delhi geht.

 

Zur Erhohlung ist aber vorher noch ein bisschen faulenzen und eine kleine Shopping-Kultur-Tour angesagt. Ausschlafen, lesen, am Strand abhängen, in das warme Meer hüpfen, ein scharfes Süppchen schlürfen. Ich hab mir eine indische Massage gegönnt. Ein kleiner Inder hat mich eine Stunde geknetet und ständig mit Öl eingerieben und dann noch in eine Schwitzkiste gesteckt. Dann bekam ich noch einen "Hindu-Punkt" auf die Stirn, einen Kräutertee und ein Pfefferkorn ähnliches Teil für den Magen. Ein schönes Erlebnis!

Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg in die nahegelegene Stadt, erst mit dem Taxi, dann mit der Fähre, dann mit dem Tuck Tuck. An der Fähre begegnen wir einem Mädchen, dass von einem Hund gebissen wurde, ich wollte die Wunde desinfizieren und verbinden, aber sie wollte nicht, wollte mit ihrer Mutter zum Arzt. In der Neu-Stadt ist der Verkehr so irre, wie nie zuvor. Es ist wirklich schwierig, unbeschadet über die Straße zu kommen. Es gibt viele Hochhäuser und tolle Shops mit klasse Klamotten, uns ziehen diese klimatisierten Räume magisch an, es ist so schön kühl hier. Wir machen auch eine kleine Stadtrundfahrt durch die Altstadt mit dem Tuck Tuck, sehen uns Tempel an, ein Museum, eine Touri-Einkaufsstraße mit vielen Antiquitäten und nettem Cafe. Wir stolpern zufällig in ein Ginger-Lager, im ersten Stock ist eine Art Großhandelsgeschäft für Gewürze. Was es da alles gibt und dieser Duft!

Abends gucken wir uns ein traditionelles Tanztheater an. Wir tauchen in eine vollkommen andere Welt ein. Normalerweise dauert so eine Tanzvorführung bis zu sechs Stunden, aber die Touristenversion dauert nur eineinhalb. Jede Fingerbewegung, jedes Augenrollen bedeutet was und dazu wird wild getrommelt und mit einer riesigen Blechzimmel geklirrt, es ist so laut, wie bei einem Rockkonzert. Die Kostüme und Masken sind farbenfroh, die Bewegungen exotisch. Als wir das Theater verlassen, duscht es, Blitze durchzucken den schwarzen Nachthimmel und stürzen sich ins Meer, ein gewaltiges Tropen-Gewitter bahnt sich an. Nachts kommen wir erschöpft in unserem Hotel an. Ich lese noch ein paar Zeilen meines indischen Krimis: "Die verschwundene Dienerin" von Tarquin Hall und schlafe ein.

 

Mitten in der Nacht müssen wir dann um 3.30 das Hotel verlassen. Das Taxi war pünktlich, wir fahren zum Flughafen, dort verabschiede ich mich von meinen Reisbegleitern, und fliege alleine weiter nach Delhi. Die Trennung fiel schwer. Jetzt bin ich ganz allein. Ich besteige meinen Flieger und schwupps bin ich schon in Mumbai, sieht von oben ziemlich hässlich aus, eine Trabantenstadt, viele Slums. Ich bleibe im Flugzeug sitzen. Als der Flieger sich wieder gefüllt hatte, rollen wir zum Startfeld und da stehen wir 45 Minuten. Mit über einer Stunde Verspätung landen wir in Delhi. Ich werde abgeholt, juhu! Kaum in der Wohnung angekommen geht es schon mit  meiner Gastfamilie auf Sightseeing Tour nach Delhi. Wir gucken alte Ruinen an, das Weltkulturerge "Lal Qila" mit einem Großmogulgrab und einer nicht rostenden Säule. Es schwirren Sittiche von Baum zu Baum. Später sitze ich mit meinen Gastgebern noch bis tief in die Nacht auf der Dachterrasse und quatsche mit Ihnen über Gott und die Welt.

 

Am nächsten Morgen sind wir nach dem Frühstück zur Embassy gefahren, in der Deutschen Botschaft wollten sie mich erst gar nicht reinlassen, zum Glück kam der Kulturattaché und ließ mich rein. Leibesvisite und dann gings in einen schönen kühlen Raum. Die Anlage brummte zwar, aber das Konzert war sehr schön. Es waren ca. 80 Zuschauer da, die super mitgemacht und mitgesungen haben. Die Veranstalter luden mich anschließend ins Hyatt Hotel ein, eins der besten in Delhi. Das Hotel ist der Wahnsinn, irre, ich bin sprachlos. Den Rest des Nachmittags lagen wir am Hotel-Pool. Ich fühlte mich wie ein kleiner Sultan. Abends besuchten wir einen Markt. Alle Indischen Regionen hatten Ausstellungsbuden und es gab natürlich auch leckeres indisches Essen. Spät abends haben wir noch Bayern gegen Leverkusen angeguckt und auf der Dachterrasse den Tag Revue passieren lassen.

 

Der darauffolgende Sonntag war ein freier Tag. Ich stehe um 5.45 auf und werde vom Fahrer meiner Gastfamilie nach Old Delhi gefahren. Dort ging um 7 Uhr eine Fahrradtour durch die langsam erwachende Altstadt los. Wir fuhren durch enge Gässchen, überall Hunde und Menschen. Manche saßen auf Bastmatten und tranken Tee. Manche ließen sich rasieren, manch andere machten Orangensaft oder beluden Holzkarren. Dazwischen immer diese verlausten Köder. Die Wege wurden zwar gefegt, aber der Dreck immer nur von einer Ecke in die andere gekehrt. Zersauste, ausgemergelte Pferde schleppten riesige Körbe mit Steinen. Rikschas transportierten riesige Mengen von Waren. Ein unbeschreibliches Gewusel. Manche Häuser machten den Eindruck, schon beim Angucken zu verfallen, die Stromleitungen, ein chaotisches schwarzes Gewirr an Kabeln, hängen an morschen Holzpfählen. Ab und zu musste man den herunterhängenden Leitungen geschickt ausweichen. Wir besuchten ein Altersheim für heilige Kühe - verkrüppelte Wesen durften da ihren Lebensabend verbringen. Wir kamen zu einer heiligen Stelle am "Heiligen Fluss". Es war ein großer Fluss, aber die Flüssigkeit war nicht als Wasser zu erkennen, es war eine schwarze Kloake, die Müll träge weitertransportierte. Sie blubberte und stank. Es wuschen sich dort religöse Menschen und beteten. Wir besuchten einen alten Hindu-Tempel und tranken Tee. Wir fuhren mit unseren Fahrrädern an unzähligen alten Gebäuden vorbei, an Palästen, Tempeln und gingen essen in einem Restaurant mitten im Gewusel. Ich war jedenfalls glücklich, als ich die Ausgangsstation wieder heil erreicht hatte. Das war die abgefahrendste Fahrradtour die ich je gemacht habe. Ein Erlebnis, das man fast gar nicht in Worte packen kann. Hautnah an Armut, Krankheiten, Läusen und Flöhen vorbeigeradelt. Ich muss mich duschen! Ich fuhr zurück nach Neu Delhi.

Abends waren wir bei einer deutschen Family eingeladen, ich habe ein paar Lieder gespielt und ein bisschen Small-Talk betrieben. Super Villa, mit Wasserfall und riesigem Pool. Der Kontrast zu den Vormittagseindrücken war unvorstellbar groß!

 

Am nächsten Tag ging es um 7.30 in die "Deutsche Schule". Im Musikraum waren schon 16 Kinder zu meinem Workshop zusammengekommen. Im ersten Workshop hatte ich die 5-7 jährigen Kids, bei denen die Mitmachlieder und musikalischen Spiele super ankamen. Es war eine sehr ausgelassene, konstruktive Stimmung. Dann gab es Mittagessen und ein kleines Gespräch mit dem Rektor der Schule. Und danach kamen die älteren Kids dran. Da machte ich dann meinen Workshop "Mit Liedern Sprache fördern" und spielte auch ein paar Songs zum Thema "Mit Liedern Rechnen lernen", dann gab es ein kleines Wunschkonzert. Die 1 ½ Stunden gingen sehr schnell vorbei, es war ein sehr schöner Workshop mit äußerst kreativen Kindern!

 

Danach fuhr ich mit einer Lehrerin zu einem Selbsthilfeprojekt, das von ihr betreut wird. Sie erzählt mir, wie sie nach Indien kam und wie sie anfing das Projekt aufzubauen. Dann zeigte sie mir die Einrichtung. Das Haus wurde durch die Sternstundenaktion des BR vor ein paar Jahren gebaut. Es gibt Werkstätten, eine Krankenstation, einen Computerraum, Übernachtungsmöglichkeiten für Straßenkids und einen Kindergarten. Im Kindergarten sind Kinder von alleinerziehenden Frauen, die tagsüber einer Beschäftigung nachgehen. Ein paar der Kids haben in der Zwischenzeit einen Schulabschluss geschafft und ein Stipendium in Amerika bekommen. Andere Kinder werden als Schneider oder Schreiner ausgebildet. Das kann ein Sprungbrett für ein paar Wenige sein. Im Kindergarten habe ich versucht ein paar Fingerspiele mit den Kindern zu machen. Ich beschließe, das Projekt mit dem Erlös meiner nächsten Festival-CD zu unterstützen. Danach liefen wir noch durch die umliegenden Gassen. Wir sahen eine geschlagene junge Frau, kamen am Drogenumschlagsplatz und an einem Treffpunkt der Bettler vorbei, es war hart. Wir tranken beim Schreiner ums Eck noch eine Fanta. Die Lehrerin hat dort Stühle für den Kindergarten in Auftrag gegeben. Sie spricht fließend Hindi, hört sich seltsam an, wenn das aus einem europäischen Mund kommt. Dann bringt sie mich zu meiner Gastfamilie zurück, bei der ich mich nochmals für die tolle Gastfreundschaft bedanken möchte. Nach ein paar relaxten Minuten und einer kühlen Dusche werde ich zum Flughafen gebracht.

Eine verrückte Reise geht zu Ende.

 

 

Die Schule des "Adivasi Tee-Projekt-Dorfes" in Gudalur / Südindien wird unterstützt durch den Erlös der Festival-CD:

Geraldino Kindermusikfestival 2009 "Musik, Musik, Musik" bei Kimuk.de

 

Spendenkonto direkt:

Adivasi Kooperationsprojekt e.V.

Volksbank Chemnitz

BLZ 870 962 14

Kt-Nr. 395 162 004

Verwendungszweck: Bildungsarbeit